Gesangstherapie auf der Grundlage der Schule der Stimmenthüllung nach Valborg Werbeck-Svärdström

“Der ganze Mensch singt!” – Maria Führmann

Die Elemente des Gesanges und die Gesetzmäßigkeiten der Musik werden durch die Anthroposophie als archetypische, den Menschen körperlich, seelisch und geistig konstituierende Kräfte erfassbar. Singend und im instrumentalen Musizieren bringt der Mensch diese Kräfte künstlerisch zur Erscheinung.

In der Gesangstherapie werden diese Kräfte mit Hör- und Singübungen zur Anregungen der seelischen Entwicklung und zur Harmonisierung bei leiblichen Erkrankungen zum Erleben und zur Wirksamkeit gebracht.

Gesangstherapie belebt und harmonisiert den Atem und kann so dem ganzen Menschen zu innerem Gleichgewicht verhelfen. Indem der Klang durch die menschliche Gestalt hindurch schwingt, können gestaute und blockierte Energien wieder zum Fließen gebracht werden. Der Lebensorganismus und die Selbstheilungskräfte werden angeregt.

Im Bilden von Konsonanten, werden Prozesse angeregt, die in der Gestaltung des menschlichen Organismus plastisch formgebend, lösend oder verdichtend wirksam sind.

Durch gesungene Vokale erfährt das seelische Empfinden Differenzierung, innerliche Vertiefung und auch Ausdruck. Die Selbstheilungskräfte des Menschen können mit Hilfe der Vokale in differenzierter Weise angeregt werden.

Diese Zusammenhänge wurden erstmalig erforscht durch die schwedischen Sängerin Valborg Werbeck-Svärdström (1879–1972) in Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner (1861–1925) und von ihr zusammen mit führenden Anthroposophischen Ärzten ihrer Zeit als Gesangstherapie ausgearbeitet. Der Arzt Dr. Eugen Kolisko war bei der Ausarbeitung schrieb einen grundlegenden Aufsatz über „Physiologisches und Therapeutisches“ der in dem Buch von Valborg Werbeck Svärdström „Die Schule der Stimmenthüllung“ als Nachwort enthalten ist.

Diese Elemente des Gesanges – die Bewegungen des Atmens, die allgemeine Resonanz der Stimme als das Klangelement, Konsonanten, Vokale und bestimmte Tonfolgen oder Melodien werden für jeden Patienten zu spezifischen Übungen zusammengestellt und unter Anleitung eines besonders ausgebildeten Therapeuten individuell erarbeitet. Im eigenen Üben eröffnet sich dem Patienten ein Weg zu einer Stärkung der Individualität und zu einer vertieften Selbst-Wahrnehmung.

Gesangstherapie ist angezeigt bei: Erkrankungen der Atemwege und der Stimme und des Hörsinnes, bei chronischen Stoffwechsel-Erkrankungen, funktionalen Störungen, psychosomatischen und neurologisch-psychiatrischen Erkrankungen sowie als Begleittherapie bei Krebs-Erkrankungen und in der Therapie für Kinder mit Entwicklungsstörungen und in der Heilpädagogik.

Thomas Adam 2013